Bildungslücke

20 Oktober 2008 at 2:02 pm 19 Kommentare

Heute Vormittag war ich zum Geburtstagsfrühstück einer Nachbarin eingeladen.

Während Herr Tünnes sich mehr oder weniger in meinen Armen einigermaßen ruhig verhielt, zog Ida mich immer mal wieder in das Zimmer des jüngsten Kindes der Familie, weil ich mit ihr spielen sollte.

Auf dem Boden des Zimmers lag ein Buch, daß das Fräulein gerne vorgelesen bekommen wollte. Es hieß:

Das kleine Mädchen mit den Schwefelhölzern“ und auch wenn es sich jetzt im Nachhinein als ein sehr bekanntes Werk handelt, so muß ich zugeben, daß ich es vorher leider nicht kannte und so las ich also unbedarft vor, im Glauben ein schönes Kindermärchen in den Händen zu halten.

Schon während sich das Mädchen ein Streichholz nach dem anderen anzündete und sich dabei schöne warme Gedanken machte, während es im Schnee erbarmungslos frieren mußte, konnte ich meine Tränen kaum zurückhalten, doch das diese Kindergeschichte damit endete, daß das Mädchen im Schnee erfrieren mußte, statt wie üblich irgendwie gerettet zu werden, hat mich in dem Moment einfach eiskalt erwischt und so saß ich neben dem Fräulein, Herrn Tünnes im Arm und mir versagte urplötzlich meine Stimme und die Tränen flossen mir in den Schoß. Sowas kann man seinen Kindern doch nicht vorlesen, daß ist so unendlich traurig!!!

Entweder kann ich mich generell für die Märchen der Autoren aus den 17. und 18. Jahrhundert nicht so begeistern, oder es lag heute doch nur an der Wochenbettdepression.

Falls es noch mehr so schreckliche Geschichten gibt, vor denen Frau Sensibelchen ich gewarnt sein sollte, dann bitte ich ganz lieb darum, das jetzt zu tun.

Entry filed under: Alltag, Fräulein Ida, Herr Tünnes, Mommy, traurig.

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19 Kommentare Add your own

  • 1. wortteufel  |  20 Oktober 2008 um 2:15 pm

    Das Mädchen mit den Schwefelhölzern war und ist mein absolut liebstes Märchen. Schon als Kind war dieses Märchen für mich ein Grund, mit offeneren Augen durchs Leben zu gehen und mehr Mitgefühl für andere zu haben.

    Und genau das sollen Märchen meiner Meinung nach: sie sollen das Leben zeigen und mit Hilfe ihrer Erzählungen eine Lehre zulassen, einen weiterbringen und zum „Rechten“ formen.

    Als Kind konnte ich einfach nicht verstehen, warum niemand dem Kind hilft. Es mitnimmt. Es wärmt. Und ich habe mir damals vorgenommen, niemals ein anderes Kind frieren zu lassen oder hungern.

    Wer zart besaitet ist, sollte wohl generell keine Märchen lesen, denn es geht da nur um Mord und Totschlag, Ungerechtigkeit, Tierquälerei und Inzest.

    Ich empfehle daher auf keinen Fall Jorinde & Joringel, Die Gänsemagd oder auch einfach nur Hänsel und Gretel. Eigentlich gar keins von Grimms Märchen… 😉

    Aber irgendwann empfehle ich das Lesen dieser Märchen auf jeden Fall. Meiner Mutter bin ich immer noch dankbar für diese Art der Bildung, die sie mir von klein auf mitgab und von der ich heute noch zehre.

  • 2. stanzebla  |  20 Oktober 2008 um 2:16 pm

    Andersens Märchen sind alle so brutal. Vielleicht hat er da oben im Norden nicht genug Licht gekriegt. Ich habe eine Buch mit seinen Märchen als Kind gelesen und fand es ziemlich furchtbar. Okay, das Kind lernt auch daraus, nämlich dass die Welt ungerecht und kein schöner Ort ist. Was Andersen sich dabei gedacht hat? Keine Ahnung, gar nichts? Als Volksmärchen überlieferte Geschichten sind manchmal auch schrecklich, enden aber gut.
    Hans Christian Andersen wurde am 2. April 1805 als Sohn des verarmten Schuhmachers Hans Andersen (1782-1816) und der alkoholkranken Wäscherin Anne Marie Andersdatter (ca. 1775-1833) in Odense geboren (sagt Wikipedia). Er musste sich mit 14 Jahren schon alleine durchschlagen. Diese Lebensgeschichte macht ihn nicht zu einem idealen Märchenonkel.
    Lies bloss keine anderen Märchen von ihm, ich persönlich fand „die kleine Meerjungfrau“ am schlimmsten.

  • 3. Sternrakete  |  20 Oktober 2008 um 2:42 pm

    „Die Brüder Löwenherz“. Zwar erst, wenn das Fräulein ein wenig älter ist, aber trotzdem. Vorlesen kann man das kaum, ohne in Tränen auszubrechen.

  • 4. agichan  |  20 Oktober 2008 um 2:52 pm

    Ich hätte mir die Tränchen wohl auch kaum verkneifen könnte. Und das ganz hormonchaosfrei und so…

    Hat die Geschichte denn wenigstens eine Moral gehabt? Ist das Mädchen unartig gewesen, wurde verstoßen und ist dann erfroren? Und selbst das wäre grausam.. man muss einem Kind ja wohl keine Angst einjagen um es zum Hören zu erziehen (aber das wurde früher wohl gaaaaaanz anders gesehen)… argh.

  • 5. jo  |  20 Oktober 2008 um 3:04 pm

    Du arme!
    Aus genau diesem Grund habe ich klassische Märchenbücher verbannt, MEINE Kinder bekommen sowas von MIR sicher nicht vorgelesen 😉

  • 6. Viola  |  20 Oktober 2008 um 4:17 pm

    Ich kenne diese Geschichte und finde diese eine der traurigsten überhaupt – ich habe nie verstanden warum es eine „Kindergeschichte“ ist….auch jetzt wo ich quasi „erwachsen“ bin bekomme ich jedesmal Gänsehaut & einen dicken Kloß im Hals…..

  • 7. Sabine  |  20 Oktober 2008 um 7:17 pm

    Oh jee, alles wieder gut? Das sind hoffentlich bestimmt nur die Wochenbettdepris 😉

    Normalerweise sind die Maerchen von Hans Christian Andersen eher unkompliziert – man erinnert sich vielleicht an das haessliche Entlein, das zu einem stolzen Schwan wird!? Grimms Maerchen sind auch ok, wobei die Hexe bei Haensel und Gretel schon richtig boese ist, wie sie immer den Finger vom Haensel testet, ob er auch wohlgenaehrt ist…

    Was ich meinen Kindern aber nie vorlesen wuerde, sind Maerchen von Wilhelm Hauff – Das kalte Herz – gruuuselig! Die Maerchenverfilmung dazu auch!
    Allerdings sind die ganzen russischen und tschechischen Maerchen toll – vor allem die Verfilmungen. Wobei es hier auch teilweise boese Hexen gibt…

    Maerchen aus 1001 Nacht sind hingegen eher was fuer die aelteren Kinder. Da wuerde ich noch ein bisschen warten bei Ihren Zwergen.

    Was ich uebrigens sehr empfehlen kann, sind die Maerchen-CDs von der Edition Seeigel: Maerchen werden erzaehlt und mit Einspielungen von klassischer Musik untermalt. Sehr nett! Und schoene Maerchen haben die ausgewaehlt. Jawohl.

    Viele Grueße
    Sabine

  • 8. charlottes&antonsmommy  |  20 Oktober 2008 um 7:53 pm

    Ich liebe diese Geschichte und muß auch jedes Mal schluchzen.
    „Die kleine Meerjungfrau“ finde ich auch furchtbar traurig!

  • 9. preussmuddi  |  20 Oktober 2008 um 8:03 pm

    also das ist eins meiner Lieblingsmärchen.

    Kinder können damit eigentlich ganz gut umgehen,ich ahbe als Kind (4 oder 5 jährige) die Kassette davon gehbat und habe sie rauf und runter gehört.

    Eins der schönsten und traurigsten Märchen überhaupt!

  • 10. mama schwaner  |  20 Oktober 2008 um 8:10 pm

    aber das märchen ist doch von andersen, also nicht gebrüder grimm. ich finde die meisten märchen von hans christian andersen sehr traurig, nimm dich also in acht! 🙂

    http://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Christian_Andersen

    (aber ich kann dich schon sehr gut verstehen. auch hier die (still)hormone?!)

  • 11. Frau Kathy  |  20 Oktober 2008 um 9:04 pm

    @wortteufel
    ich habe oft das gefühl, daß viele märchen eher etwas für erwachsene sind und wahrscheinlich hast du recht, irgendwann sollte man sie sich auch zu gemüte führen, denn sie führen einem vor augen, wie gut es einem geht. und das man es nicht für selbstverständlich nehmen sollte.

    @agichan
    das mädchen war nicht unartig. es war laut den bildern sogar noch ein sehr kleines mädchen und der vater hätte es geschlagen, wenn es nach hause gekommen wäre, ohne streichhölzer verkauft zu haben. und so ist sie auf der straße geblieben und hat sich nach und nach ein hölzchen angezündet und jedes mal dabei einen schönen traum gehabt, bis es beim letzten dann erfroren ist und (das wiederrum ist tröstlich) bei dem einzigen menschen angekommen ist, daß gut zu ihm war, ihrer großmutter.

    @sabine
    danke für den tip, ich werde mir die märchen-cd´s mal anschauen.

    @preussmuddi
    das ist ja meistens so, kinder können das grausame oft gar nicht so sehen.
    aber ich konnte die geschichte herrn kathy am abend, der sie auch nicht kannte, noch nicht mal erzählen. ich hab nach vier versuchen aufgegeben, sie ihm zu erzählen, denn ich bekam jedes mal wieder einen kloß im hals und mußte schluchzen. 🙄

    @rieke
    ja, ich weiß, daß es nicht von den brüdern grimm ist. aber die finde ich halt auch so grausam.

  • 12. feuervogel  |  20 Oktober 2008 um 9:53 pm

    Oh je, da hat’s dich aber erwischt. Und ich kann dich so gut verstehen. Die Märchen von Andersen waren der Albtraum meiner Kindheit – und das obwohl ich Märchen geliebt habe. Aber diese Märchen zerreißen einem förmlich das Herz. Ganz schlimm ist auch Däumelinchen, dieses Kind das seine Mama verliert, da konnte ich nicht mal bis zu Ende zuhören. Oder die kleine Meerjungfrau, die ist nur bei Disney harmlos.
    Andererseits sind diese alten Märchen ja auch ein Stück Kulturgut. Man muss wohl nur alt genug dafür sein.

  • 13. agichan  |  20 Oktober 2008 um 11:24 pm

    *schüttel* Grausam. Jedenfalls für Kinder in Idas Alter (oder in Ihrem, Frau Kathy *g*).

  • 14. noemi  |  21 Oktober 2008 um 10:09 am

    bisher war ich ja immer leise… aber dazu mag ich doch was sagen.
    mir ganz persönlich ist genau dieses märchen auch schon immer sehr zu herzen gegangen. auch einfach so, ohne hormone oder irgendetwas. viele märchen sind gruselig, oder grausam oder sehr traurig. auch „hänsel&gretel“ mochte ich nie. und „der standhafte zinnsoldat“ fand ich auch immer so traurig.
    aber da muss man sich immer auch ein wenig bewußt machen, daß märchen eben nicht für kinder geschrieben sind. auch andersens märchen, die immer schon zu den geschichten für kinder gezählt wurden, waren von ihm so nicht unbedingt gedacht. und für erwachsene hat es ja durchaus einen „sinn“ oder eine moral, so ein märchen zu erzählen… siehe wortteufels beitrag

    und „die brüder löwenherz“ gehört definitiv dazu. das konnte ich mit 17 nicht selber lesen, ohne zu weinen. an den film habe ich ganz vage erinnerung aus meiner kindergartenzeit, traurig, grausam und unwirklich. sehr duster, irgendwie.

    und wenn ich jetzt schon beim ersten mal soviel geschrieben habe, möchte ich doch auch noch sagen: ich lese immer wieder sehr gern hier 🙂

  • 15. Frau Kathy  |  21 Oktober 2008 um 7:42 pm

    @noemi
    vielen dank! 😀

  • 16. KollegeD  |  21 Oktober 2008 um 7:47 pm

    Du arme arme Kathy, die Nachbarn solltest du verkagen, dass sie so ein grausames Märchen im Kinderzimmer liegen lassen und sogar vorlesen haben! Ich hoffe doch sehr stark, dass du keine bleibenden Schäden behälst.
    Deine süße kleine Tochter, und der süße kleine Tönnes, der sich auf dem arm der Nachbarin doch sehr wohl gefühlt hat, schreien nach solchen Wahrheiten/Grausamkeiten!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
    Bor ey, Kathyyyyyyyyyyyy!
    Wie war das mit dem Kellerkind????
    KD

  • 17. KollegeD  |  21 Oktober 2008 um 7:48 pm

    War für dich!
    Kaffee reicht nicht!

  • 18. dietauschlade  |  23 Oktober 2008 um 10:45 pm

    ein sehr interessantes buch, welches ich hinsichtlich der frage „sind märchen etwas für kinder“ empfehlen kann, ist „kinder brauchen märchen“ von bruno bettelheim!
    z.t. etwas abgefahren, aber durchaus nachvollziehbar – allerdings liest man märchen danach mit ganz anderen augen! (ist mir zumindest so gegangen)

    :o)

  • 19. Frau Kathy  |  24 Oktober 2008 um 11:21 am

    vielen dank für den tip. ich bin immer offen für so etwas und werde mir das buch auf jeden fall mal zu gemüte führen.
    danke!

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