Angst

25 Oktober 2008 at 10:02 pm 12 Kommentare

Das Fräulein ist jetzt in einem Alter, in dem es auch durchaus schon mal ohne Mami und Papi für ein paar Stunden bei Freunden bleibt.

Nun gibt es da seit einiger Zeit eine schlimme Geschichte mit dem kleinen Sohn einer Freundin und ich mache mir seit dem so meine Gedanken. In Zukunft wird es natürlich immer wieder Situationen geben, in denen ich meine Kinder in andere Obhut geben muß. Doch ich kann den Menschen nur vor den Kopf schauen und niemand kann mir sagen, wie sie wirklich ticken und wie sie meine Kinder behandeln.

Durch die angesprochene Geschichte meiner Freundin ist in mir wieder eine Erinnerung hochgekommen, die ich seit Jahren zur Seite geschoben hatte. Ich kann mich an diverse Besuche einer befreundeten Familie meiner Eltern erinnern, dessen Sohn mich oft in unser Spielzimmer mitgenommen hat und wollte, daß ich meine Hose ausziehe. Erst Jahre später ist mir bewußt geworden, was er eigentlich wirklich von mir wollte. Ich war vielleicht vier oder fünf und meine Erinnerung ist eher verschwommen, ich sehe ihn nur immer vor mir sitzen, wir er mir an meinem Hosenbund herumfummelt, und versucht mich zu überreden, daß ich mir meine Hose herunterziehen lasse. Ich bin mir ziemlich sicher, daß es mehrere Male so ging, ich es aber aus altersbedingter Unwissenheit einfach nicht genau einzuordnen wußte. Sicher bin ich nicht, aber ich glaube nicht, daß außer dem widerlichen Fummeleien noch mehr passiert ist, und wenn doch, habe ich Gott sei Dank keinen Schaden davon getragen, denn ich kann mich einfach nicht genau erinnern.

Wie auch immer, diese alte Geschichte ist es jetzt noch gar nicht mal so sehr, die mich beschäftigt. Es ist diese Angst die mich überkommt, wenn ich daran denke, daß irgendwann irgendjemand einmal Hand an MEINE Kinder legen könnte. Die Angst, daß jemand in dessen Hände ich meine Kinder gebe, und von dem ich es nicht erwarten würde, krank im Kopf ist. Der Gedanke, daß ich dann nicht für sie da wäre, sie davor beschützen könnte. Diese Angst macht mich gerade ganz verrückt und ich weiß einfach nicht, wie ich damit umgehen soll. Es kommen noch so viele Ereignisse, so viele Situationen auf uns zu, in denen sie, natürlich nicht nur se.xuell, in Unsicherheit geraten könnten.

Wieso zum Teufel sagt einem soetwas eigentlich keiner. Wieso zum Teufel macht man sich vorher nie Gedanken um so etwas. Und wie zum Teufel kann ich meine Kinder vor schrecklichen Dingen beschützen ohne sie am Tischbein festzuketten???

Entry filed under: Alltag, Fräulein Ida, Herr Tünnes, Mommy, traurig.

Opa´s Weisheiten Täuflinge

12 Kommentare Add your own

  • 1. June  |  25 Oktober 2008 um 10:16 pm

    liebste kathy,
    ich denke diese angst hat jede mutter und jeder vater, aber ausser einem gesunden selbstbewusstsein, kannst du wohl nichts machen. gib deinen kindern mit, dass sie sich immer an dich wenden können und in einer situation in der sie sich unwohl fühlen „nein“ sagen dürfen und sollen. ich ermahne meine mama immer zu respektieren, wenn bennet sie nicht schmusen möchte, denn nur so bekommt er vermittelt, dass er, egal wer es ist ob bekannter, verwandter oder fremder körperliche nähe ablehnen darf.
    erst neulich habe ich erlebt, wie ein bekannter (8 jahre) zu bennet und seinem freund sagte „lass mal kucken ob du schon einen pi.m.m.el hast. das hat mich sehr schokiert, aber das ist wohl in dem alter mehr oder weniger normal.
    ich hoffe, dass dein erlebnis verschwommen bleibt (auch wenn das komisch klingt)….
    fühl dich umarmt!

  • 2. Yvonne  |  25 Oktober 2008 um 10:26 pm

    Diese Angst lähmt mich manchmal regelrecht. Ich versuche die Gedanken daran zu verdrängen so lange, wie Finnley kaum in so eine Situation geraten kann. Aber die Angst ist trotzdem immer irgendwie da. Hätte mir das vorher jemand fühlbar machen können, hätte ich wahrscheinlich kein Kind.

  • 3. agichan  |  25 Oktober 2008 um 10:33 pm

    Ich schließe mich June uneingeschränkt an. Du kannst deine Kinder nur aufklären, aber nicht schützen. Je nach Alter läuft die Erklärung natürlich anders ab. Sind sie so jung wie Ida, vermittelt man dem Kind eben genau das, was June sagt. Werden sie älter, erklärt man ihnen darauf aufbauend etwas mehr. Wandern sie auf die Pubertät zu, dann bringt man vielleicht wieder ganz andre Aspekte rein („niemals um dem andren zu gefallen!“). Aber den Grundstein legst du schon jetzt, indem Ida (und dann auch Lutz) genau das lernt: wenn ich körperlichen Kontakt nicht will, dann muss ich den auch nicht haben. Mehr kannst du einfach nicht tun, aber wenn deine Kinder dieses Bewusstsein haben, dann können sie sich selbst deutlich besser schützen, selbst wenn sie die Situation (wie du damals) nicht richtig einschätzen und einordnen können. Tja.. und darauf musst du vertrauen.
    (Mich beschleichen bei dem Gedanken, jemand könnte meiner Tochter zu nahe treten äußerst detaillierte Mordgelüste……..)
    *knuff*

  • 4. Frau Kathy  |  25 Oktober 2008 um 10:39 pm

    @june
    ich hoffe wirklich sehr, daß es uns gelingt, ida und lutz genügend selbstbewußtsein zu vermitteln!!
    („nein“ sagen kann sie schon mal ganz gut. ch hoffe, daß sie das auch bei fremden so energisch sagen kann. 😉 )

    @yvonne
    genau so empfinde ich es auch manchmal.
    viele sagen einem, wie anstrengend kinder sein können, aber niemand hat mir je gesagt, wie groß die angst um sein kind sein kann.

    @agichan
    mordgelüste hätte ich dann auch. definitiv!

  • 5. June  |  25 Oktober 2008 um 11:11 pm

    eben mit dem liebsten noch mal drüber gesprochen, auch wir werden in unserem handeln wohl etwas mehr abstand halten. soll bitte nicht falsch verstanden werden, ich werde meiner kinder weiterhin knutschen und knuddeln aber auch ich werde ihm wohl mehr distanz, wenn er sie dann wünscht, zugestehen! 😉

  • 6. June  |  25 Oktober 2008 um 11:14 pm

    ach da fällt mir eine tolle buchempfehlung ein:
    http://www.amazon.de/Neinrich-Edith-Schreiber-Wicke/dp/3522433882/ref=sr_1_1?ie=UTF8&s=books&qid=1224969256&sr=8-1
    vielleicht ist das was für euch!

  • 7. Frau Kathy  |  25 Oktober 2008 um 11:22 pm

    also wenn ida keine lust auf kuscheln hat, würde ich sie nie dazu drängen, nur weil ich gerade gerne mit ihr knuddeln würde.
    aber das ist doch nur normal. na gut, bei lutz genieße ich es momentan sehr, daß er sich „noch“ nicht dagegen wehren kann, aber das zählt ja wohl nicht 😉
    aber ich glaube, ich werde sie in zukunft noch mehr „impfen“ auch bei anderen niemals etwas gegen ihren willen zu tun, sondern das es völlig ok ist, auch „nein“ zu sagen.

    danke für den buchtip. wird direkt gekauft. ♥

  • 8. Yvonne  |  26 Oktober 2008 um 11:11 am

    Danke an June für die Buchempfehlung!

    Die Einzige, die mir viel über diese Ängste erzählt hat, war meine Schwester. Ich konnte das nur nie nachfühlen. Genau so wenig wie die Liebe, die man zu seinem Kind hat. Dieses Gefühl kannte ich vorher auch nicht. Und das möchte ich auch nicht missen. Leider gibt es das nur im Doppelpack: Die Liebe und die Angst.

  • 9. sandra  |  26 Oktober 2008 um 1:26 pm

    Saskia aht zu Weihnachten dieses Buch von Veronica Ferres geschent bekommen,wo steht das man nicht einfach zu fremden ins Auto steigt.,.auch wenn man sie vom sehen kennt.
    http://www.amazon.de/Nein-mit-Fremden-geh-nicht/dp/3570131378/ref=pd_sim_b_3

  • 10. Frau Kathy  |  26 Oktober 2008 um 2:52 pm

    @yvonne
    ja, mit der liebe ist es genauso. diese bedingungslose liebe vom ersten moment an, wenn man sein baby das erste mal im arm hält. man kann es einfach nicht beschreiben, sie ist anders als jede andere schon mal empfundene liebe zu irgendjemand anderem.
    und die angst gehört wohl einfach mit dazu. wir müssen wohl einfach nur lernen, mit ihr umzugehen, ohne unsere kinder zu sehr einzuengen.

    @sandra
    dieses buch habe ich schon mal in einem katalog gesehen, ich dachte nur bis jetzt, daß ida noch zu jung dafür ist, und es eigentlich auch noch nicht braucht. nur je selbstständiger sie wird, desto wichtiger finde ich es auch darüber zu reden.
    danke für den tip!

  • 11. stadtfrau  |  26 Oktober 2008 um 7:51 pm

    wir haben das buch „das große und das kleine nein“, das hat auch eine elterninfo dabei. ich denke, das ist ein thema, das man begleitend gut mit büchern erklären kann, aber die meisten „geh nie mit einem fremden mit“-bücher finde ich ehrlich gesagt mehr beängstigend als aufklärend, ich hatte letztens in der bücherei ein bilderbuch in der hand, in dem das kind tatsächlich mitgegangen ist und nur zufällig befreit wurde. zumal verschleiert es ja, dass in den allermeisten fällen es kein fremder ist, der das kind nötigt und dass es in den allermeisten fällen nicht um entführung geht, sondern um viel kleinere, subtilere sachen.
    deswegen das kind bestärken, seinem gefühl zu trauen und danach zu handeln und ihm erklären, dass wer auch immer möchte, dass es ein geheimnis vor den eltern bewahrt „böse“ ist und lügt.

  • 12. June  |  27 Oktober 2008 um 9:21 am

    @ stadtfrau
    daher ist der neinrich ein super buch, denn da geht es um tante karin die immer knutscht. und der neinrich sagt, dass es egal wer, ok ist einfach mal nein zu sagen, aber im richtigen moment, nein beim zähneputzen ist ebenso überflüssig wie beim aufräumen, die neins muss man im richtigen moment bringen.
    außerdem geht es auch um das nein, wenn der große bruder der freundin sagt, spring vom klettergerüst oder wenn sich jemand im supermarkt vordrängelt.
    sehr empfehlenswertes buch! 😀

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