Spuren im Schnee

2 März 2009 at 2:46 pm 15 Kommentare

Letzte Nacht hatte ich einen Traum. Früher hatte ich diesen Traum sehr häufig. Es war immer der gleiche Traum. Allerdings muß es schon einige Jahre her sein, daß ich ihn zuletzt geträumt habe.

Vermutlich lag es daran, daß ich mir in den letzten Tagen viel Gedanken über die Liebe zu meinen Kindern gemacht habe. Ich weiß, dieses Thema ist auch schon an anderer Stelle diskutiert worden und ich will und kann zu dem Thema in diesem Beitrag auch gar nichts mehr hinzufügen.

Als viertes Kind meiner Eltern habe ich die Erfahrung gemacht, daß auch meine Mutter große Unterschiede zwischen ihren Kindern gemacht hat. Da ich das einzige Kind bin, daß zwar mit optischer Ähnlichkeit gesegnet, aber charakterlich wohl am wenigsten mit ihr gemeinsam hat, hab ich immer wieder deutlich gespürt, wie sehr sie doch meine Geschwister in irgendeiner Art und Weise bevorzugt.

Ich glaube jedes Kind liebt seine Eltern bedingungslos und für mich war es oft eine schmerzhafte Erfahrung, hab ich mir doch so oft mehr Zuneigung und Anerkennung von ihr gewünscht.

Der Traum, von dem ich sprach, ist eigentlich nicht besonders ereignisreich.

Meine Mutter und ich gehen Hand in Hand durch den Schnee, wir gehen scheinbar an meinem Leben vorbei und in den Momenten, wo ich sie am meisten gebraucht habe, kann ich sie einfach nicht an meiner Seite entdecken.

Vor einigen Jahren habe ich einen Text von Margaret Fishback Powers entdeckt, der meinem Traum im Grunde sehr ähnlich ist.

Er heißt Spuren im Sand.

Wenn ich ihn lese kommen mir die Tränen, wäre ich doch manchmal auch gerne so getragen worden, nur ein kleines Stückchen weit.

Und damals habe ich mir geschworen niemals einen Unterschied zwischen meinen eigenen Kindern zu machen. Tja und jetzt stehe ich da und muß mir eingestehen, daß ich diesbezüglich wohl auch ein bisschen an mir arbeiten muß.

Manche Kinder machen es einem aber auch einfach leichter als andere.

Entry filed under: Alltag, Mommy, traurig.

Erika Klose Frühlingstag

15 Kommentare Add your own

  • 1. soulsilence  |  2 März 2009 um 4:30 pm

    Ach Kathy… ich drück Dich mal ganz fest.

    Dass Du Deine Gedanken thematisierst, ist schon mal ein guter und wichtiger Weg. Und diese kleinen Persönlichkeiten verlangen Dir da sicherlich auch nicht wenig ab. Geh den Weg weiter, reflektiere Dein Handeln und solange Du Dich immer wieder daran erinnerst, wirst Du auch das richtige tun. Bestimmt. Ich denk an Dich.

    (Als ich las, wie Du Deinen Traum beschrieben hast, musste ich auch sofort an „Spuren im Sand“ denken.)

  • 2. mama schwaner  |  2 März 2009 um 8:35 pm

    diese gedanken mache ich mir auch oft. und ebenso oft komme ich zu dem entschluss, dass ich paul und oskar eigentlich noch gar nicht so richtig miteinander vergleichen kann. denn was kann ich von oskar schon für einen „gehorsam“ (klingt jetzt total bescheuert, ich weiß) erwarten?! oskar ist noch ein baby, dass erst seinen eigenen willen entdeckt und paul ist ein kind, das seinen eigenen willen hat und durchsetzen will. natürilch kenne ich ihre unterschiede schon jetzt. aber ich denke mir auch, dass es ganz oft nur phasen der kinder sind, die mich dann den einen „besser“ behandeln lassen als den anderen.

    ich geh´ mal davon aus, dass du von ida sprichst, weil sie grade auch eine bochphase hat? und dann muss man sich nur sagen: herr tünnes kommt da ganz bestimmt auch noch hin! 🙂

  • 3. Manja  |  2 März 2009 um 9:40 pm

    Du Liebe, ich kenne solche Gedanken & Gefühle auch, auch wenn sie momentan nicht präsent sind.
    Fühl dich ganz fest umarmt und die Zeit wird Klarheit in das Gefühlschaos bringen!

  • 4. Doreen  |  2 März 2009 um 9:56 pm

    Ja komisch is das mit dem gleichmässig lieben…ich selbst bin Einzelkind und weiß daher nicht wie es ist dieses Gefühl zu haben aus der Kind zur Mama Sicht aber ich merke immer wieder wie ich mich selbst dabei erwische das ich meine beiden Mädels irgendwie auch unterschiedlich liebe…obwohl ich das auf keinen Fall will.

    „Manche Kinder machen es einem aber auch einfach leichter als andere.“

  • 5. Kassiopeia  |  2 März 2009 um 10:05 pm

    Da bekommt man eine Gänsehaut bei dem Gedicht.

    Ich kenne das ein wenig, Ich habe an andere Stelle hier schon gelesen, wie fordernd das Tochterkind ist. Ich habe hier auch solch ein emotionales Exemplar. Ein 100%Kind. Es ist nicht immer leicht, sich gegen dieses Gefühl von „ach wärst du doch nur…“ zu stellen.

    Ich würde keines der Kinder missen, aber alle sind unterschiedlich. Ich liebe sie alle anders. Meine Eltern sagten immer, sie würden uns beiden das Gleiche geben wollen, aber das ist doch Quatsch. Jeder Mensch braucht doch etwas anderes. Also heißt es bei uns: Jeder bekommt, was er braucht.

    Der Text ist etwas älter, aber in einem sentimentalen Anfall nach Toms Geburt schrieb ich diesen Beitrag, vielleicht findest du dich ja wieder?!

    http://www.klaresbuntesglas.de/?p=1000

  • 6. June  |  2 März 2009 um 10:27 pm

    Kathy, an mein Herz! Du sprichst das aus, was ich so tief in mir drin fühle und mich nicht eingestehen traue, da es ein fürchterliches Zeichen von Schwäche ist.
    Aber ich weiß so gut, was du meinst. Allerdings glaube ich auch, das Kinder Phasen durchleben und in diesen Phasen man die Zuneigung anders verteilt…das ist wohl menschlich, macht es aber Gefühlstechnisch nicht besser…

  • 7. Frau Kathy  |  3 März 2009 um 6:42 am

    ihr alle, vielen dank für die vielen lieben worte.

    wahrscheinlich ist es so, daß man in bestimmten phasen die zuneigung zu seinen kindern unterschiedlich verteilt. und natürlich habt ihr recht, daß herr tünnes ja auch noch gar nicht so alt ist. aber auch als ida in dem alter war, hat sie mir schon immer so unglaublich viel abverlangt.
    während ich das alles hier so lese, hört es sich so an, als würde ich sie nicht richtig lieben. so ist das nicht. ich liebe sie über alles und würde mir ein bein für sie abhacken, sie hat ganz wunderbare eigenschaften und ist eine unglaubliche persönlichkeit. ich glaube, wir reiben uns einfach zu sehr aneinander, vielleicht sind wir uns zu ähnlich, gepaart mit ihrer fordernden und einnehmenden art ist es halt einfach manchmal angenehm diesen ausgeglichenen und freundlichen kleinen knopf zu haben, der mir einfach das herz aufgehen läßt, ohne das ich hart dafür kämpfen muß.

    ich muß die beiden einfach auf ihre art nehmen, denn sie haben beide seiten, die ich sehr an ihnen liebe. viele dinge gehen vielleicht einfach unter, werden nicht gesehen, weil die anstrengung des alltags zu groß ist. ich werde versuchen einen genaueren blick für sie zu entwickeln. wie schon gesagt, ich muß an mir arbeiten.

  • 8. Christin  |  3 März 2009 um 10:28 am

    Danke für deine Gedanken.
    Komisch, die gleichen Funken wehen auch durch mein Gehirn. Ich denke es ist in Ordnung sich darüber Gedanken zu machen. Wichtig ist bei alle dem, dass du für deine Kids da bist. Ja es gibt wohl Tage (die kenne ich auch zur genüge), an denen man Hin und Her schwankt. Aber zweifle nicht!
    Deine Mutter hatte sicherlich auch ihre Gründe/Schwierigkeiten…
    Man steckt nie drin.
    Liebe Gruesse ebenfalls von einer schwankenden Mama von 2 kleinen Rackern, die mein Leben zum Leben machen (auch wenn es immer wieder eine harte Herausforderung ist!)

  • 9. Leanders Mami  |  3 März 2009 um 10:32 am

    Danke für diese offenen Worte! Und danke an die Kommentatoren. Zeigt es mir doch, dass es also DOCH so ist, dass man seine Kinder unterschiedlich zu unterschiedlichen Zeiten liebt.
    Ich glaube, niemand hat im GeringstenZweifel daran, dass Du das Ida-Töchterlein weniger liebst, als Herrn Tünnes – keine Sorge. Aber wenn ich mir schon jetzt versuche vorzustellen, wie es mit zwei Kindern ist, dann bekomme ich schon jetzt ein schlechtes Gewissen. Jedem Kind gegenüber.
    Und glaub mir: Es fällt mir manchmal sogar schwer, nur EIN Kind so zu lieben, wie es es verdient hätte. Nämlich immer dann, wenn ich es dahin schicken möchte, wo der Pfeffer wächst! Wie im Moment z.B. …

  • 10. Micha  |  3 März 2009 um 10:41 am

    Ich bin ja der Zweitgeborene, der dazu auch noch Frühchen war und daher auch immer mit diversen gesundheitlichen Problemen zu kämpfen hatte. Da liegt es nahe, dass ich das „Lieblingskind“ meiner Eltern war… und vielleicht noch bin?! Das alles hat mich und die ganze Familie geprägt. Ich bin bis heute jemand, der sich stets mitteilen und sich austauschen will. Mein Bruder war und ist dagegen eher ein Einzelkämpfer, dem es zuwider ist, alles offen- und darzulegen.

    Was ich damit sagen will: Eine Familie ist wie ein Haus, in dem jeder seine Rolle und seinen Platz hat. Eltern sind ein Teil davon und keine Übermenschen, die über den Dingen stehen und sich stets neutral und fair verhalten. Sie haben Gefühle und Stimmungen, sie empfinden mehr oder auch mal weniger Zuneigung.

    Anders ausgedrückt: Ida ist ein anderer Mensch als ihr Bruder. Deshalb begegnet Dir jede auf seine Weise und Du reagierst entsprechend darauf. Aufgrund dessen, was ich hier immer lese, glaube ich zu wissen, dass Du trotzdem oder gerade deshalb die beste Mami für die beiden bist. Im Ernstfall würdest Du sicher für beide genau gleich in die Presche springen und nur darauf kommt es an.

    Du wirst Deinen / Euren Weg finden… auch wenn es nicht immer ganz einfach ist. :knuddel:

  • 11. Tina  |  3 März 2009 um 2:15 pm

    ich weiss was du meisnt.

    Ich habe ähnliches erlebt und wollte dass mir das was mir passiert ist nie weitergeben.

    Jetzt mach ich es manchmal doch.
    Bin jähzornig.
    Und müde und wütend.Und lasse das mein großes Kind spüren.
    Und bin hinterher undsagbar traurig dass sie mich wieder so weit getrieben hat.

    Schleiche in ihr Zimmer und nehm sie in den Arm.
    Und denke dass ich Unterschiede mache.
    Ja manche Kinder machen es einem einfacher.Das stimmt.
    Aber man liebt sie dennoch gleich.Auch wenn man es dem einem Kind leichter zeigen kann (weil das eine Kind es vielleicht auch eher zulässt)

    Du bemerkst deine „Fehler“.Das ist imer der erste Schritt etwas zu ändern oder besser zu machen:-)

    Liebe Grüße an euch

    *und ich könnt schwören das liegt am Namen;-)*

  • 12. mama schwaner  |  3 März 2009 um 7:41 pm

    ich denke auf gar keinen fall, dass du das fräulein nicht oder weniger liebst. aber man muss sich ja auch mal vor augen halten, dass man beim zweiten an sich schon gelassener ist. was mich bei paul früher vielleicht auf die palme gebracht hat, lass ich jetzt oft einfach gewähren, weil ich es nun nicht mehr so schlimm finde oder mich mit der „erfahrung“ besser darauf einlassen kann. ich bin mir sicher, auch an herrn tünnes wird es ein paar „schöne“ reibungspunkte geben, vielleicht bald vielleicht aber auch erst später 😉 das hat ja nix mit weniger liebe zu tun.

    und wie kassiopeia es formuliert (sehr klasse): man muss die kinder nicht gleich behandeln. sondern jeder soll das bekommen was er braucht. und wir wissen alle, das unsere kinder unterschiedlich sind.

  • 13. rebenwanderin  |  3 März 2009 um 8:27 pm

    Genau diese Gedanken mache ich mir zur Zeit ständig. Jetzt schon, bevor ZWerg N°2 überhaupt auf der Welt ist…..ich glaube, damit kämpft jede Mutter immer wieder mal.

  • 14. Bettina  |  4 März 2009 um 6:55 am

    Du hast Post. 🙂

  • 15. Christina  |  6 März 2009 um 8:43 am

    Jedes Kind ist eine Persönlichkeit mit eigenen, unterschiedlichen Bedürfnissen. Liebe kann man nicht abmessen. Babys, die zB lächeln, die kann man einfach nur lieben, aber Kinder, die es einem scherer machen, da geht doch viel mehr „Liebe“ drauf.
    Mein Großer war halt 3 Jahre der „Einzige“ und er hat sich mit seinem Wissen und seiner Sprache überall „beliebt“ gemacht. Der Kleine redet zwar nicht viel, ist aber ein richtiger Charmeur, er weiss genau, wie er zu seiner „Liebe“ kommt.

    Mein Buchtipp: „Erstgeborene – Über eine besondere Geschwisterposition“ von Jirina Prekop

    lg Christina

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