Von Wut und Liebe

5 Juni 2009 at 12:45 pm 7 Kommentare

Als ich das Fräulein gestern von der Loslösegruppe (blödes Wort, aber Kindergarten ist es ja noch nicht) abholte, standen wir mit einigen Müttern vor der Einrichtung und warteten, daß sich die Tür öffnete.

Eine Mutter erzählte mir, daß ihre Tochter am Morgen einen fast einstündigen Wutanfall hatte, weil sie ein Kleidungsstück aus der Bügelwäsche anziehen wollte, statt die Bluse, die sie ihrem Kind anziehen wollte.

Sie war sichtlich aufgelöst angesichts der Heftigkeit des Ausbruchs, kannte sie soetwas doch nicht von ihrem Mädchen und je mehr sie erzählte, desto mehr wurde mir klar, daß unser Fräulein jeden Tag häufig Wutausbrüche in genau dieser Ausprägung hat.

Es gab eine Zeit, in der ich mit diesen Ausbrüchen schlecht zurecht kam, der ganze Tag war durchzogen von solchen Ausbrüchen und ich hatte das Gefühl, daß mein Kind in dieser scheinbar nicht enden wollenden Phase nur sehr wenig liebenswert war. Ich schämte mich für meine Gedanken und war hin- und hergerissen zwischen, dieses Kind hat eine Art an sich die mich wütend und ja sogar rasend macht und ich möchte mein Kind doch einfach nur lieb haben.

Heute kann ich sagen, daß mein Fräulein zwar nicht gänzlich wutausbruchsfrei ist, aber der Ausgleich zwischen Wutanfällen und Ereignissen mit der sie mein Innerstes berührt ist wieder hergestellt.

Ohne mein Fräulein wäre mein Tag einfach nicht so, wie er sein sollte. Ich liebe sie von ganzem Herzen und traue mich nun hier zu sagen, daß es eine Zeit gab, in der es leider nicht immer so war. Ich fühle mich alles andere als gut dabei, aber ist es doch auch etwas, daß zu mir und meinem Leben mit den Kindern gehört.

Für diese Mutter, die mir für einen kleinen Moment sogar wirklich sehr leid tat, konnte ich meine Gefühle allerdings nicht in Worte fassen und so lächelte ich nur und versicherte ihr, daß ich sie gut verstehen könnte.

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05.06. Nasenschmuck, die Fortsetzung

7 Kommentare Add your own

  • 1. agichan  |  5 Juni 2009 um 1:42 pm

    jaaa, so dinge sind immer grenzwertig. eine mutter hat ihr kind bitteschön zu lieben und zwar jederzeit und in jeder situation. meine wenigkeit ist aber davon überzeugt, dass dem tatsächlich so ist, dass jede mutter ihr kind zu jeder zeit und unabhängig von jedem verhalten innigst liebt – wenn auch nicht bewusst. die tochter rutscht gerade in diese erste phase voller fieser wutausbrüche und manchmal – holla! – da könnte ich den zwerg gegen die wand batschen. am liebsten würde ich rumschreien, toben, sie schütteln, ins zimmer sperren oder gleich zur adoption freigeben. ich freue mich morgens nicht, wenn sie wach wird, weil ich ja doch nur die aussicht auf einen ätzenden tag mit ihr habe. ganz schlimm sind dann die mittwoche, an denen ich vormittags ganze 5 stunden mit ihr alleine sein muss – fuuurchtbar. und sobald ich auch nur ansatzweise so empfinde, schäme ich mich in grund und boden für mein empfinden. unmütterlich. unnatürlich. entsetzlich. ich begann mich zu fragen, ob ich nicht doch zu jung und somit zu unreif für ein kind gewesen bin und machte mir im gleichen atemzug bittere vorwürge, da solche übrlegungen ja nun zu spät wären und die tochter jetzt die leidtragende wäre. in gesprächen mit dem gatten kam übrigens heraus, dass er zeitweise ganz genauso empfindet. und auch er fühlte sich grottig deswegen. heute denke ich aber anders. ich bin fest davon überzeugt, dass eine mutter ihr kind immer innig liebt. davon, dass diese liebe so grundlegend ist, dass eine anstrengende phasen – und sei sie noch so anstrengend und noch so lang – diese liebe absolut nicht berührt. vielmehr denke ich, dass das von temporären gefühlen überlagert wird, sozusagen verdeckt und drum für einige zeit diese temporären gefühle vordergründig erscheinen und einen genau das denken lassen, nämlich dass man das kind phasenweise weniger lieben würde. aber ehrlich.. selbst als ida unausstehlich war, wärst du nicht trotzdem vor einen laster gesprungen, wenn das ihr leben gerettet hätte? hättest du sie nicht ebenso beschütz und verteigt wie in zeiten, in denen sie ein engelchen war?
    ich glaube jedenfalls nicht, dass unsre kinder durch wutanfälle irgendwas an unsrer liebe zu ihnen ändern können. da braucht es schon mehr. viel, viel mehr.

  • 2. stilke  |  5 Juni 2009 um 2:06 pm

    ich lächle jetzt nur. und ich versichere dir, dass ich dich gut verstehe

    und ich bin gespannt, ob du deinen sohn bei solchen anfällen und trotz dieser leichter lieben kannst… weil dann lächle ich auch wieder…

  • 3. Frau Kathy  |  5 Juni 2009 um 8:24 pm

    @agi
    vielen, vielen dank für diesen deinen langen und tollen und guttuenden kommentar. 🙂
    ja, es ist so. tief im inneren liebt man seine kinder immer, egal, was sie für einen mist verzapfen oder wie fies und gemein sie sein können. und du hast es ganz toll beschrieben, daß die liebe von diesen temporären gefühlen überlagert wird. so ist es wohl.
    und ich weiß, daß es wieder tage geben wird, an denen meine gefühle zu ihr wieder erschüttert werden, aber ich weiß auch, daß es dafür tage geben wird, an denen ich sie von morgens bis abends knutschen könnte, weil sie einfach nur toll ist.
    es war halt einfach eine sehr lange harte zeit, und ich wünsche mir sehr, daß es nur noch vereinzelte tage geben wird, aber bitte nicht mehr wochen und monate. 😉

    @stilke
    ich bin gespannt. aber ich glaube jetzt schon die antwort zu kennen. 😉

  • 4. tonni  |  6 Juni 2009 um 12:13 pm

    Ach du.
    gerade gestern wars, da habe ich den halben vormittag vor mich hingeweint. selbst beim autofahren, beim einkaufen. weil ich mir sicher war, dass unsere ida und ich einfach nicht zusammenleben können. dass ich sie nicht will. dass ich auch dieses baby nicht will. dass ich nicht fähig bin, sie zu lieben, zu erziehen. einfach weil ich derzeit mit ihr und mir überfordert bin: sie tobt und wütet und rast. und ich mit ihr. und wut finde ich nach wie vor ein schwer auszuhaltendes gefühl.
    wir reiben uns da sehr aneinander und so oft gibt es ewige zeit am tag kein klein wenig entrinnen.
    aber im herzchen denke ich, dass es genau so ist, wie agi beschreibt
    (@agi: sehr schöne und einleuchtende worte!!). aber da sind so viele phasen, die uns fordern – und genau mitten in solchen phasen ist es verflixt schwer zu sehen und zu spüren, was dem eigentlich zugrunde liegt…
    (und ich wette, ich werd in den nächsten wochen noch ne ganze mütze voll zu dem thema weinen müssen. aber so ist es eben…. ;-))

  • 5. June  |  7 Juni 2009 um 1:10 pm

    feste gedrückt und sehr gut verstanden darfst du dich fühlen!

    ich danke dir!!!

  • 6. salamandrina13  |  7 Juni 2009 um 11:04 pm

    also jetzt bin ich eher baff. Ich dachte das kämer erst in der pupertät???
    Stimmt,manch,chmal zweifele ich an mir…(so unter dem Motto: es muss ja an MIR liegen) wenn Saskia schwierig ist,aber das ich sagen könnte das würde stundenlang oder den ganzen Tag saurn kann ich nicht sagen.
    Was immer nervend ist,ist das auf der Strasse gehen…sie bummelnd und bummelnd……machen das Eure Kinder auch?
    @alle anderen.

  • 7. Die Geschichte eines Blogrolls « Der Lilly Blog  |  19 Juni 2009 um 12:48 am

    […] Feedreader dieser hier. Einfach gut geschrieben, vorallem ehrlich was ich sehr begrüße. Posts dieser Art haben mir immer Mut gemacht und ich bin erleichtert das es nicht verboten ist einmal andere […]

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