Archive for 28 August 2009

Freundschaft

Meinem Elternhaus gegenüber wohnte damals ein Mädchen, sie war genauso alt wie ich. Wir spielten draußen auf der Straße, gingen zusammen in den gleichen Kindergarten, zur Grundschule und auch zur weiterführenden Schule. Wir waren unzertrennlich. Ich glaube ich kann sagen, daß ich zu der Zeit mehr dort wohnte, als zu Hause. Später trennten sich unsere Wege. Es waren bestimmt nicht mehr als fünf Jahre und dennoch, diese Zeit hat unser beider Leben so sehr geprägt und verändert, daß es uns nie wieder gelang an alte Zeiten anzuknüpfen. Heute wohnt sie wieder in ihrem Elternhaus und wir haben neben meinem Elternhaus gebaut. Das heißt, wir sehen uns wieder fast täglich. Und dennoch, kann ich nicht sagen, daß uns dieses eine Freundschaftsband verbindet, nach dem ich mich eigentlich immer gesehnt habe.

Es gab da noch eine Freundin, ich glaube, ich war so 14 oder 15. Wir sahen uns jeden Tag nach der Schule, wir tauschten Klamotten, fuhren jeden Tag zum bummeln mit dem Linienbus nach Münster und redeten über Dinge, die 14 oder 15Jährige nun einmal so beschäftigen. Damals dachte ich, wir wären die besten Freundinnen. Aber im Grunde war es nur oberflächlich, denn wenn wir beste Freundinnen gewesen wären, dann hatte sie wohl noch vier oder fünf andere.

Wenn ich bis jetzt an den Begriff „Freundin“ dachte, fielen mir lediglich diese beiden Menschen ein, zu denen ich zwar auch heute noch guten Kontakt habe, aber niemals war da etwas wie seelenverwandtschaft, blindes Vertrauen, Verstehen ohne Worte, usw.

Vor etwas über einem Jahr fand ein Kennenlern-Elternabend von des Fräuleins Loslösegruppe statt. Alle Eltern sollten sich und ihr Kind kurz vorstellen und eine Frau, die mir durch ihr äußerst sympathisches Erscheinungsbild schon von Anfang an aufgefallen war, hatte nicht nur ein Mädchen im gleichen Alter wie wir, nein, sie war auch genau wie ich schwanger und der Entbindungstermin für unsere Jungs lag auch nur um ein paar Tage auseinander.

Es war seltsam, die darauffolgende Zeit stellte sich heraus, wieviele Parallelen es noch mehr gab zwischen uns. Noch heute denke ich häufig, daß es so lustige Zufälle doch eigentlich gar nicht geben kann, wenn ich mal wieder schmunzelnd beobachte, wie ähnlich sich unsere Mädels und auch unsere Jungs sind.

Mittlerweile treffen wir uns mindestens einmal die Woche und es vergeht fast kein Tag, an der nicht ein Telefonat oder eine SMS verschickt wird. Und wie ich heute so, nach einem wunderschönen Nachmittag, mit den Kindern im Auto sitze, denke ich so: Das ist es, das ist die Freundschaft, die ich im Herzen trage.

Und ich bin so froh, daß ich sie gefunden habe, meine Herzensfreundin.

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28 August 2009 at 9:26 pm 10 Kommentare


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