J.

26 September 2009 at 10:58 pm 15 Kommentare

Normal bin ich ja nicht wirklich so schnell aus der Fassung zu bringen. Das heißt, zumindest kann ich mich immer sehr gut zurücknehmen und ich äußere mich nicht sehr schnell bei Dingen, die mich eigentlich nichts angehen.

Der Mann meiner zweitältesten Schwester und ich, daß funktioniert irgendwie nicht so richtig. Für meinen Geschmack ist er einfach zu extrem, extrem in jeglicher Hinsicht. Er ist der Tollste, der Beste, er hat immer Recht, er ist in Sekunden auf 180 und vom vernünftigen Umgang mit Menschen hat er scheinbar noch nie etwas gehört.

Aus erster Ehe hat er eine Tochter (15 Jahre) und mit meiner Schwester hat er jetzt zwei Kinder. Seine erste Tochter (J.) ist seit der Scheidung mit seiner Ex-Frau ständig hin- und hergerissen worden. Erst bei seiner Ex-Frau, dann bei ihm und meiner Schwester, dann wieder lange bei seiner Ex-Frau und nun, nach ihrer erneuten Scheidung mit einem weiteren Mann ist sie jetzt seit ein paar Monaten wieder bei meiner Schwester und meinem Schwager.

Heute auf der Hochzeit meiner anderen Schwester saß J. mit dem jüngsten Kind der Familie (11 Monate) auf dem Schoß und alberte mit ihm herum. Dabei stoß der Kleine versehentlich an die Tischkante und fing natürlich an zu Weinen. Wie von der Tarantel gestochen sprang mein Schwager auf und fuhr sie an, wie sie nur so „blöd“ sein könnte und ob sie nicht vernünftig auf ihn aufpassen könnte. Er nahm ihn an sich und tröstete ihn, während J. verständlicherweise in Tränen ausbrach. Dieses Mädchen ist 15 Jahre alt, muß ständig die Verantwortung für ihre kleinen Stiefgeschwister übernehmen und bekommt dafür nur ständig irgendwelche Vorhaltungen zu hören.

Ich sagte ja bereits, mein Schwager ist extrem. Denn leider gab ein Wort das andere und schon wenige Sätze später hieß es, sie könne gleich morgen ihre Koffer packen und ausziehen!!!!

Mir fiel die Kinnlade runter. Wie kann man seiner Tochter so etwas sagen, noch dazu, wo sie die ganze Jugend eigentlich nur hin- und hergeschubst wurde und irgendwie nie richtig zu irgendeiner Familie zu gehören schien.

Sofort ergriff ich das Wort und habe entsetzt meine Meinung kundgetan. Am liebsten wäre ich aufgestanden und hätte ihm eine gescheuert. Mehr ging leider in dieser Situation nicht.

J. tut mir so unendlich leid, ich bin in einer großartigen Familie groß geworden und kann mir einfach nicht vorstellen, wie es sich anfühlen muß weder bei seiner Mutter noch bei seinem Vater eine Familie zu finden.

Ich bin immer noch total schockiert und weiß nicht so recht, wie ich mit dieser Situation umgehen soll. Ich habe das Thema angesichts der standesamtlichen Hochzeit meiner älteren Schwester auf sich beruhen lassen, jedoch würde ich das Thema gerne noch einmal ansprechen, auch wenn ich weiß, daß man mit meinem Schwager absolut nicht diskutieren kann.

Selbst heute hat er die Verletzung, die er seiner Tochter zugefügt hat, überhaupt nicht als solche gesehen, er hat sich selbst als Opfer gefühlt, er wäre immer der Buhmann und alle würden immer auf ihm herumhacken. Er war schon drauf und dran mit dem Taxi nach Hause zu fahren.

Wie kann man einem solchen Menschen eigentlich noch helfen???

Für J. wünsche ich mir von Herzen, daß sie es schafft sich trotz ihrer „verkorksten“ Jugend ein glückliches Leben aufzubauen, hoffentlich dann mit einer eigenen, richtigen Familie!!

Entry filed under: Alltag, Mommy, nervig, peinlich, traurig.

Standesamtlich Hatschi

15 Kommentare Add your own

  • 1. Fr. SchokoPerle  |  26 September 2009 um 11:39 pm

    Hm, sowas zu lesen stimmt mich immer sehr sehr nachdenklich und ich frage mich ehrlich, was das Menschen sind, die so wenig Feingefühl haben.

    Ich frage mich, bei dem ganzen hin und her, wäre es nicht besser für J. wenn sie in eine Jugend WG kommt? Dort hat sie mit Sicherheit mehr Halt als in ihrer „Familie“ ob nun beim Vater oder der Mutter. Mit dem Schwager würde ich nicht diskutieren, wer weiß wie das am Ende noch für das Mädchen ausgeht, bei so einem Egomanen.

  • 2. mairym  |  26 September 2009 um 11:45 pm

    klingt sehr nach meinem nochmann. leider.
    und bei dem sehe ich keine hoffnung auf besserung (mehr). vielleicht wäre so ein „betreutes Wohnen“ wirklich eine möglichkeit?

  • 3. kittynn  |  27 September 2009 um 12:05 am

    Deine Gefühle in dieser Situation kann ich gut nachvollziehen. Es wäre toll, wenn du es vielleicht schaffen könntest nochmal mit deinem Schwager darüber zu sprechen.

  • 4. Mama Miez  |  27 September 2009 um 12:22 pm

    So einen Vater wünsche ich niemandem. Furchtbar so angefahren zu werden, vor anderen Menschen und dann auch noch so grundlos.

    Ich finde allerdings nicht, dass betreutes Wohnen eine Lösung ist. Fühlt man sich dann nicht noch abgeschobener?

    Wie reagiert denn Deine Schwester bei solchen Zwischenfällen. Wie steht sie zu ihrer Stieftochter?

  • 5. wortteufel  |  27 September 2009 um 1:15 pm

    Schwierig. Und auch so unfassbar unfair. Das Mädchen tut mir so leid.

    Ich weiß nicht, was man tun könnte. Vielleicht eher mit dem Mädchen Kontakt aufnehmen und ihr Hilfe anbieten, Adressen vermitteln. Und ihr zeigen, dass da jemand ist, der das auch unfair findet. Denn ich kann mir vorstellen, dass sie sich allein fühlt.

    Was mich auch interessieren würde, so wie Mama Miez, ist wie Deine Schwester sich verhält?

  • 6. Schussel  |  27 September 2009 um 4:35 pm

    Ich denke auch, am ehesten dem Mädel zeigen, dass andere Leute dieses Verhalten auch nicht in Ordnung finden – auch wenn man wenig tun kann. Denn ich kenne sowas auch, aus der Perspektive der 15-jährigen, leider.

  • 7. June  |  27 September 2009 um 5:09 pm

    oh weia, kommt mir das bekannt vor und ich kann nur sagen…äußerste vorsicht!
    vielleicht hast du die möglichkeit, vorausgesetzt du kannst und willst das als ansprechpartner für j. zu fungieren. so kann man einiges abfangen.
    meine nichte sagte mit 3 jahren im auto zu mir „stimmts mein papa ist ein arschloch weil er mich vernachlässigt“…das traf mich sehr. das ganze zog viele therapien mit sich und ich wünschte ich hätte damals mehr auf alle beteiligten einwirken können, aber ich war wohl zu jung…

  • 8. Frau Kathy  |  27 September 2009 um 8:54 pm

    @frau schokoperle
    betreutes wohnen wäre ja wieder ein herausreißen aus ihrer derzeitigen lebenssituation. da sie selbst leider auch sehr labil ist, wäre das wohl momentan der falsche schritt. sie steht meiner meinung gerade selber stark auf der kippe in etwas abzurutschen, wie das bei jugendlichen halt auch schnell passieren kann, sie müßte endlich mal jemanden haben, der zu ihr steht, der sie so akzeptiert wie sie ist und der ihr ein richtiges zuhause gibt und vor allem das gefühl von LIEBE. das ist es doch, was ein jeder sich von seinen eltern wünscht, oder nicht?

    @mairym
    das könnte gut sein, daß sich die beiden sehr ähnlich sind. zumindest wird er sich wohl auch nicht mehr ändern. gestern tat er mir kurzzeitig auch sehr leid, denn auch er hat meines wissens eine sehr schwere kindheit gehabt.
    aber zum thema betreutes wohnen bin ich ja schon bei frau schokoperle drauf eingegangen.

    @kittynn
    ich habe eine nacht drüber geschlafen und bin mir sicher, daß ein gespräch null bringen würde. er schaltet gleich auf stur und fängt an unsachgemäß zu diskutieren bzw. verletzend zu argumentieren. ich glaube ich werde mich mehr auf j. konzentrieren. sie versuchen aufzubauen, ihr das gefühl geben, daß es da einen menschen gibt, der sich für sie und ihre probleme interessiert.

    @mama miez & wortteufel
    meine schwester, tja.
    also als j. das erste mal bei ihr wohnte, fand ich, daß sie sie nur geduldet hat. sie hat ihr leider deutlich gezeigt, daß sie ihre eigene tochter deutlich mehr bevorzugt.
    mittlerweile hat meine schwester aber eingelenkt, meine mutter hat sie auch oft ins gebet genommen. mittlerweile schlägt sie sich auch oft auf j. seite gegen ihren mann. ich finde ihr verhalten mittlerweile völlig ok, denn leider kann auch sie nicht vernünftig mit ihrem reden oder ihn zum einlenken bewegen.

    @schussel
    also meine eltern und meine andere schwester stehen da auch voll hinter j., aber leider ist da eine distanz von ca. 150 km zu überbrücken, da ist j. leider oft doch viel zu häufig auf sich allein gestellt.

    @june
    liebe june, daß habe ich jetzt verstärkt vor. ich werde versuchen regelmäßig kontakt zu ihr zu halten. ich hoffe, daß sie meine hilfe annimmt und ich vielleicht irgendwie ein bisschen vermitteln kann. viel ist schon im argen und unwiderruflich in den brunnen gefallen, aber vielleicht ja noch nicht alles.

    vielen dank für eure lieben worte und gedanken ihr lieben, ich bin so froh auch außerhalb meiner realen welt solche gedanken mit jemandem zu teilen!! :-*

  • 9. mairym  |  27 September 2009 um 9:09 pm

    eine schwere Kindheit entschuldigt nicht alles. Man wird ja auch irgendwann erwachsen.

  • 10. Frau Kathy  |  27 September 2009 um 9:25 pm

    nein, da hast du sicherlich recht.
    aber auf der anderen seite hat er es sein leben lang so vorgelebt bekommen, ich glaube schon, daß es dann auch schwer ist, sich dann selbst komplett anders zu verhalten.

  • 11. Fr. SchokoPerle  |  27 September 2009 um 9:51 pm

    Ich verstehe deine Bedenken, aber bei mir ist es so rübergekommen, als wenn sie überhaupt gar keinen Halt in ihrer jetzigen „Familie“ gar keinen Halt erfährt. Und auch wenn ich verstehe das sie labil ist, frage ich mich ob das leben dort unter deinem Schwager für sie auf Dauer etwas ist. Es muss nicht gleich eine Jugend WG sein, jemand der hinter ihr steht, so wie du es jetzt vor hast, bringt auch eine Menge. Nur pass auf dich auf, dabei. Oft gerät man zu schnell in eine emotionale Situation die man so nicht wollte. Du könntest auch für dich ein Beratungsgespräch im JA suchen, was du tun kannst, wie du Hilfe anbieten kannst. Hat sie eigentlich die Möglichkeit zu ihrer Mutter zurück zu kommen? Reibereien gibt es in einer Familie immer, aber wenn man einfach nicht das Gefühl bekommt, erwünscht zu sein, kann es eine lange Zeit werden.

  • 12. Fr. SchokoPerle  |  27 September 2009 um 9:52 pm

    urks, doppelt gemoppelt. Wenn man zu lange überlegt was man schreiben will 😉

  • 13. Frau Kathy  |  27 September 2009 um 10:13 pm

    hm, hat sie halt?? ich kann es nicht komplett verneinen, daß problem ist wohl, daß es dort so heftige stimmungsschwankungen gibt. heute so, morgen so.

    auf die dauer glaube ich, ist das leben bei meinem schwager nichts, ich vermute, sie wird früh auf eigenen beinen stehen wollen, jedoch aus ihrer momentanen sicht ist es wohl bei meinem schwager noch die beste wahl.
    das problem mit ihrer mutter ist, daß die scheinbar auch nicht ohne ist. sie hat j. immer als druckmittel gegen meinen schwager benutzt. meist ging es um geld. wirklich geliebt wird sie von ihr leider auch nicht.

    dieses gefühl, nicht erwünscht zu sein ist es, was mich momentan einfach nicht loslässt. der gedanke, daß sie dieses gefühl noch so lange ertragen muß ist grausam.
    ich werde versuchen, so etwas wie eine vertrauensperson für sie zu werden, um evtl. herauszuhören, wie man ihr am besten helfen kann. mehr kann ich glaube ich erst einmal nicht tun, denn ein zu hause kann ich ihr leider nicht herbeizaubern.

  • 14. Fr. SchokoPerle  |  28 September 2009 um 8:20 pm

    Nein, dafür bist du auch nicht zuständig. Auch wenn es einem nahe geht ist es wichtig Abstand zu haben, damit es einem eben nicht zu nah geht. Und wenn du ihr so gut es geht beistehen kannst, kannst du ja auch sehen wie es ihr so ergeht und im Notfall immer noch anders handeln. Vielleicht renkt es sich ja auch irgendwie ein. (Ich glaube es durch deine Erzählung zwar nicht, aber man soll ja nie die Hoffnung aufgeben)

  • 15. frau rieke  |  28 September 2009 um 9:46 pm

    sowas tut weh. aber wenigstens gut, dass du deine meinung kundgetan hast, so fühlt sich j. vielleicht ein bisschen bestärkt und weiß, dass es nicht an ihr liegt. vielleicht geht es zu weit, aber vielleicht kannst du mit ihr mal versuchen zu reden. nicht unbedingt über die schuld der eltern aber dass sie ihre sache toll macht und einfach mal ein bisschen loben und bestätigen in dem, was sie tut. oder vielleicht kommst du über deine älteste schwester ein bisschen an sie ran, also vielleicht kann sie deinem schwager etwas einhalt gebieten und j. ein bisschen zuspruch entgegen bringen?

    alles gute für das mädchen!

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