Posts filed under ‘traurig’

Feuerteufel

Herr Tünnes hat schon seit langem die Herdknöpfe für sich entdeckt, und dabei meine ich leider nicht nur die von des Fräuleins Spielküche.

Bisher ist er nicht so groß, als das ich mir Sorgen hätte machen müssen, daß er sich bei Anschalten des Herdes Verbrennungen zuzieht, denn bis er einen Stuhl bis zum Herd geschoben hat, bin ich zehn Mal bei ihm.

Schon oft hat er den Herd durch die Drehknöpfe angemacht und, da ich immer in seiner Nähe bin habe ich sie immer direkt wieder ausgemacht, natürlich mit den üblichen Verbotsfloskeln.

Da mir in unserer Küche irgendwie zu wenig Arbeitsfläche vorhanden ist, liegt auf unserem Herd bei Nichtgebrauch eine Holzplatte.

Heute Morgen war ich einen Moment zu lange mit dem Fräulein Ida in der Küche beschäftigt und der kleine Mann muß unbemerkt die Herdplatte angestellt haben, natürlich auf die höchste Stufe.

Als das Fräulein auf einmal fragte:  Warum dampft´s denn hier so? war es leider schon ein bisschen zu spät. Der Rauch verteilte sich in sekundenschnelle und man konnte es von jetzt auf gleich kaum aushalten in der Küche.

Wenn ich mir so überlege, wie alt der kleine Herr Tünnes ist und wieviel Scheißelkram er in dieser kurzen Zeit schon so angestellt hat, dann möchte ich lieber nicht weiterdenken.

Manchmal denke ich, ich bin einfach zu unachtsam, erkenne einfach nicht alle Gefahrenquellen, die er mühelos in sekundenschnelle findet. Für ihn müsste ich eigentlich permanent in Bereitschaft stehen, ihn niemals aus den Augen lassen. Das geht im Alltag aber schlecht, denn hier ist noch ein Kind, daß auf nachdrückliche Weise versucht meine alleinige Aufmerksamkeit einzufordern. Wirklich doof das.

Ich glaube, da ein neuer Herd wohl momentan einfach nicht drin sitzt, wird dann wohl diese Investition auch erst einmal ihren Zweck erfüllen.

Angesichts der Tatsache, daß die Geschichte heute Morgen auch anders hätte ausgehen können, (wäre die Holzplatte nicht auf dem Herd gewesen, hätten wir vermutlich kurze Zeit später das Haus verlassen) war ich doch recht niedergeschlagen heute.

Immerhin hat es des Fräulein´s Selbstwertgefühl aber gutgetan, denn ich hab ihr natürlich gesagt, wie toll sie aufgepasst hat:

Mama, ich bin schlau, oder? Ich bin soooo schlau, ich bin die schlauste hier im Dorf, oder? Sogar noch schlauer als die Kinder im Kindergarten.

8 Januar 2010 at 10:26 pm 10 Kommentare

Kuss

Das Fräulein Ida ist nicht besonders für Kuscheln und Schmusen zu haben und bei zu zärtlichen Berührungen entzieht sie sich meist sofort.

Wenn ich sie des Morgens wecke und ihr dabei die Hand streichel und diese auf dem Handrücken sacht küsse und sie diese beim Wegziehen am Schlafanzug abputzt ist das wohl mehr als eindeutig, oder?

Schade, wo doch an mir ein waschechtes Schmusekätzchen verloren gegangen ist.

5 Januar 2010 at 9:31 pm 8 Kommentare

Jahresendzeitstimmung

Weihnachten ist vorbei. Was bleibt, sind ein paar freie Tage die hier in Ruhe und ohne viel Schaffensdrang verbracht werden.

Vor den Feiertagen gab es einen Todesfall in der Mannesfamilie, der mich wirklich sehr getroffen hat. Herr Kathy´s Onkel ist in der Nacht zum 23. nach langem Kampf gestorben und ich bin wirklich sehr traurig.

In der gleichen Nacht ging es unserem Fräulein extrem schlecht, sie verbrachte die ganze Nacht wimmernd in meinen Armen und fragte mich unentwegt mit flehendem Stimmschen wann denn das endlich einmal aufhöre mit ihren Schmerzen. Wirklich ein blödes Gefühl von extremer Hilflosigkeit, das sich da in einem breit macht.

Wie sich am Tag danach beim Arzt herausstellte, war ihr Trommelfell gerissen, hervorgerufen durch eine Mittelohrentzündung die ich des Nachts, wegen des fehlenden Fiebers, eigentlich schon ausgeschlossen hatte.

Mittlerweile geht es ihr aber schon wieder gut und die Tropfen und der Familienweihnachtstrubel, der hier immer herrscht, ließ sie alles schnell vergessen.

Es ging ihr sogar so gut, daß meine Schwester sie, wie seit längerem geplant, am zweiten Weihnachtstag für zwei Tage mit zu sich nach Hause nahm.

So ist es hier im Hause wirklich selten still und Herr Tünnes genießt sichtlich die Sonderbespaßung von Papa UND Mama, auch wenn er manchmal in Ida´s Zimmer deutet, sagt und man ihm förmlich ansieht, daß er gerne wissen würde, wo das Fräulein jetzt ist.

Zwischen den Feiertagen herrscht hier immer eine besondere Stimmung, ich finde es geht alles irgendwie langsamer und bedächtiger zu. Selbst Herr Kathy findet ausnahmsweise einmal die Ruhe um sich für ein paar Minuten des blanken Fast-Nichtstuns zu widmen und das heißt schon etwas.

Ich habe die ruhige Zeit genutzt, um einmal wieder meinen Rechner neu zu sortieren und einige Fotos auf die Festplatte zu überspielen. Dabei hab ich auch ein bisschen mit meinem Bildbearbeitungsprogramm gespielt und herausgekommen ist das hier:

Dabei wollte ich doch eigentlich endlich einmal den Gutschein einlösen, den ich bei der lieben Agi gewonnen hatte. Naja, die Tage mal.

So, und jetzt geh ich dann mal wieder die schöne Jahresendzeitsstimmung genießen.

28 Dezember 2009 at 9:59 pm 5 Kommentare

Weihnachtsfest

Heute war die Weihnachtsfeier von des Fräuleins Kindergarten.

Geschwisterkinder sollten, wenn es irgendwie geht, eben nicht mit dabei sein da dieser Nachmittag ausschließlich für die Kindergartenkinder gedacht sein sollte.

In solchen Fällen springt die Oma immer gerne ein, aber leider hatte sie ausgerechnet heute keine Zeit und so mußte ich Herrn Tünnes, der natürlich auch ausgerechnet heute nur eine Stunde Mittagsschlaf gemacht hatte und letzte Nacht zahnungs- und fieberbedingt auch nur wenig geschlafen hatte halt auch mitnehmen.

Das Theater war schon vorprogrammiert, aber das es so schlimm werden würde hatte ich nicht gedacht.

Die Kinder hatten als Überraschung für die Eltern ein Theaterstück eingeübt und das Fräulein Ida war mit einigen anderen Kindern eine Schneeflocke, die zur Musik mal langsam und sacht zur Erde fiel oder auch mal schnell und stürmisch durch die Luft gewirbelt wurde. Sie war so wunderhübsch in ihrem Kleidchen und mit dem gebastelten Schneekranz im Haar und sie hatte so viel Spaß und machte ihre Sache einfach nur toll. Ich war so traurig, daß ich eigentlich permanent damit beschäftigt war Herrn Tünnes vom demontieren der Weihnachtskrippe und deren Bewohnern abhalten mußte.

Nach dem Theaterstück, was auch noch ziemlich lange dauerte, konnten alle Kinder mit den Eltern an verschiedenen Tischen etwas basteln oder zusammen Plätzchen backen. Herr Tünnes war zu dem Zeitpunkt eigentlich schon mehr als bedient und ich wäre am liebsten gegangen, aber das Fräulein zog mich begeistert zu einem Tisch, auf dem man Steine mit Weihnachtsservietten bekleistern konnte.

Mit Herrn Tünnes auf dem Arm schaffte ich es irgendwie schweißgebadet mit ihr einen Stein mit einem Rentier zu bekleistern. Einige Zeit später hab ich es (natürlich wieder mit Tünnes unterm Arm) noch einmal kurz geschafft ein paar Mandelsplitter auf ihr Plätzchenmännchen zu drücken, und die restliche Zeit hab ich sie nur selten gesehen. Aber wenn, war sie sooo lieb und hat sich die ganze Zeit allein mit anderen Dingen beschäftigt.

Ich hatte ein dermaßen schlechtes Gewissen ihr gegenüber, daß ich mir jetzt noch auf die Lippen beißen muß, weil ich einfach so gerne nur für sie dagewesen wäre. Ich habe deutlich gespürt, wie wichtig es für sie und uns gewesen wäre.

Das sind dann immer die Situationen in denen ich mich wirklich frage wie andere das immer machen, ohne eins ihrer Kinder an den Stuhl zu ketten und mit einem Socken zu knebeln.

16 Dezember 2009 at 10:33 pm 5 Kommentare

Freiseküddel

Das Fräulein Ida ist ein Stubenhocker wie er im Buche steht. Sie könnte sich wochenlang, Tag für Tag im Haus aufhalten.

Ich sehe zu, daß wir jeden Tag einmal am Nachmittag noch vor die Tür kommen, auch wenn ich weiß, daß sowohl Herr Tünnes als auch Fräulein Ida am Vormittag schon einmal ein bisschen frische Luft geschnappt haben.

Bei der Kälte draußen wird das zunehmend schwerer. Das Fräulein Ida ist bewegungsfaul und wie das halt so ist, wenn man sich nicht bewegt, man fängt an zu frieren.

In unserem Ort öffnen sich im Dezember traditionell die Adventsfenster und so stehe ich mit den Kindern momentan regelmäßig um 17.00 Uhr an der Kirche um mit anderen Eltern und Kindern nach dem Adventsfenster zu suchen. Man kann sich nicht vorstellen, wieviel Theater ich bis dahin schon hinter mir habe. Das Fräulein ziert sich, weint, jammert und schreit, weil sie einfach nicht nach draußen möchte.

Heute habe ich sie regelrecht überreden müssen. Lockmittel waren: die Oma kommt mit, Sitzen im Buggy statt Laufen, mit Winteranzug, mit dicken Handschuhen, mit Wärmflasche und in einer Decke eingewickelt.

Ihre Freundin aus dem Kindergarten war heute auch mit beim Adventsfenster suchen und fragte dann irgendwann kurz bevor wir wieder nach Hause gingen und das Fräulein immer noch im Buggy saß ein bisschen ratlos:

Sag mal Ida, warum sitzt du denn eigentlich im Kinderwagen?

Schade! Solche Dinge sind mit dem Fräulein Ida leider immer nur sehr schwer zu machen. Samstag waren wir bei der Tagesmutter zum Lagerfeuerabend mit Stockbrot, Heißwürstchen, Glühwein, Kakao etc. eingeladen und statt in dem für Kinder paradiesischem Garten mit vielen anderen Kindern zu spielen und Spaß beim Stockbrot machen und Kekse futtern zu haben, saß das Fräulein zusammengekauert vor dem Feuer und jammerte nach einer halben Stunde vor Kälte das es endlich nach Hause wolle.

Wäre Herr Tünnes jetzt wenigstens vom gleichen Schlag, hätte ich nicht so ein ganz ein großes Problem, denn sind wir einmal drinnen macht er ein riesen Theater, steht vor dem Fenster, zeigt raus, holt Schuhe und Jacken ran und will einfach nur Raus. 🙄

Man kann es halt nicht jedem Recht machen. 😉

15 Dezember 2009 at 10:41 pm 3 Kommentare

Mit dem Zweiten

Vor vielen Jahren hatte ich einmal das Pfeiffersche Drüsenfieber.

Mit von der Partie war damals mein erster Herpesvirus und seit dem weiß ich auch, daß dieser an der Lippe unangenehm ist, aber am Auge fast unerträglich sein kann.

Am linken Auge saß er damals und seine Folgen bekomme ich im Winter immer wieder zu spüren.

Durch den Herpesvirus sind meine Tränenwege oben und unten damals zusammengewachsen oder verstopft oder was weiß ich und die Tränenflüssigkeit die das Auge so produziert konnten auf natürlichem Weg überhaupt nicht mehr abfließen, sondern kullerten allesamt immer einfach über die Lidkante aus dem Auge die Wange herunter.

Hört sich im ersten Moment nicht so dramatisch an, aber man hat ja so als gesunder Tränenwegskanalbesitzer überhaupt keine Ahnung, wieviel Tränenflüssigkeit so ein Auge am Tag produziert.

Mein ständiger Begleiter also vor Jahren: Taschentücher, viel Taschentücher.

Durch das ständige Wischen mit dem Taschentuch (oder bei Nichtvorhandensein, wahlweise auch mal mit der Hand oder dem Ärmel) hätte ich die Schminke auch gleich weglassen können hatte ich alle paar Wochen eine fiese eitrige Augenentzündung. Es war einfach rundum eine recht unangenehme Sache, da mein Auge wirklich ständig tränte und draußen war es durch Sonne und Wind oft einfach unerträglich. Die Haut war durch die Tränenflüssigkeit gerötet und vor fremden Menschen fand ich es einfach absolut unangenehm mir im Sekundentakt meine Tränchen wegwischen zu müssen.

Der Arzt riet mir zu einer Augen-OP, in der die Tränenwege wieder hergestellt werden sollten indem mir in die Tränenwegskanäle ein kleiner Schlauch gelegt werden sollte, der nach einer längeren Zeit dann wieder entfernt werden sollte.

Die erste OP verlief gut, allerdings waren die Tränenwege nach Ziehen des Schlauches immer noch nicht durchgängig.

Die zweite OP brachte dann beim OBEREN Tränenwegskanal den Erfolg und nach über 5 Jahren dauerentzündetem Auge und absolutem Unwohlsein war das Tränen meines Auges nicht mehr ganz so heftig.

Im Sommer merke ich es so gut wie gar nicht. Nur jetzt im Herbst und Winter bei Kälte, Wind, und trockener Heizungsluft tränt mein Auge einfach zu viel für NUR einen Tränenkanal.

Und so sehe ich nach nur zwei Spaziergängen mit den Kindern aus wie Karl Dall persönlich, habe rote, fleckige Haut unter meinem Auge, ich habe ein geschminktes und ein nahezu ungeschminktes Auge und es brennt im Auge wie als würde sich der erste Augenentzündung des Jahres anbahnen.

Ach ja, ich bleib dabei. Ich bin ein Frühlings- und Sommermensch.

26 November 2009 at 10:21 pm 6 Kommentare

.

Kann man einer Mutter sagen das ihr Kind zum abgewöhnen sei und sich scheinbar noch nicht einmal ein klitzekleinbisschen merkwürdig dabei vorkommen?

Je mehr ich darüber nachdenke, desto wütender macht es mich.
Unser Fräulein ist wahrlich nicht das einfachste Kind, sie weiß genau was sie will und was nicht und flippt bei den kleinsten alltäglichen Dingen oft gleich aus wie eine Furie, und tut dies mehr und mehr auch vor anderen Menschen, aber gibt es jemandem, der sie nur gelegentlich alle paar Wochen einmal länger als 3 Minuten sieht, deshalb das Recht soetwas zu sagen?

Ich bin irgendwie traurig, wütend, schockiert und fassungslos zugleich.

Unser Fräulein hat so wahnsinnig tolle Züge, ich bin traurig und ein bisschen ängstlich, daß auch andere Menschen sie so sehen könnten!!
Sie ist nicht zum abgewöhnen. Nein das ist sie ganz sicher nicht!

19 November 2009 at 12:28 pm 20 Kommentare

Seltsam

Ein seltsames Gefühl stellt sich heute Abend bei mir ein.

Niemals nicht bin ich die Person, die Schwierigkeiten damit hat, ihre Kinder in gute Betreuung zu geben.

Und doch ist es ein Unterschied, ob ich das Kindelein zur Oma nach Nebenan oder zur Tagesmutter gebe.

Ich weiß, daß es meinem allerliebsten Schatz bei dieser Frau ganz besonders gut gehen wird.
Und doch, ist er ab morgen nicht mehr rund um die Uhr mit mir zusammen.

Seltsam das. Irgendwie.

19 Oktober 2009 at 9:47 pm Hinterlasse einen Kommentar

Im Briefkasten

DSC08500

DSC08501

Die Emilia…immer frech und vorlaut, aber trotzdem immer ganz gute Ideen.

(Gemeint ist das Pony, über welches ich hier schon einmal geschrieben habe.)

19 Oktober 2009 at 8:08 pm 1 Kommentar

Seit dem letzten Beitrag II

Freitag Vormittag bei strahlendem Sonnenschein war dann die große Verabschiedung unserer Oma Vier.

Alle Eltern, die Zeit und Lust hatten, durften ebenso an der Verabschiedung teilnehmen und so stand ich mit einigen anderen Eltern schon auf dem Kirchplatz um auf die Kinder zu warten.

Während die Kinder des kirchlichen Kindergartens gesittet in Reih und Glied den Kirchplatz betraten und sich ordnungsgemäß nacheinander aufstellten, kamen die Kinder aus unserem Kindergarten auch Hand in Hand angetrottet, jedoch Reih und Glied nenn ich da einmal etwas anderes. 😉

DSC08188

DSC08203

DSC08204

DSC08192

(WordPress macht mich noch mal ganz kirre bei dem Einfügen von Bildern, GRRRRR!!!)

Als Oma Vier dann aus ihrem Lädchen kam und bei dem Anblick, der sich ihr da bot, mit ihrem schneeweißen Taschentuch ihre Tränchen trocknen mußte, war bei mir dann auch direkt gleich erst einmal Knierperalarm angesagt.

DSC08209

Und so verabschiedeten sich 80 Kinder (laut Tageszeitung, ich glaube, es waren ein paar weniger) unseres Dorfes  mit Liedern, Gedichten und selbstgebackenem Kuchen von unserer Oma Vier.

Ob der Satz:

Zur Not hab ich in Zukunft aber immer noch ein Bonbon zu Hause.

auch für Erwachsene gilt? 😉

10 Oktober 2009 at 9:55 pm 5 Kommentare

Oma Vier

Hier im Ort gibt es einen kleinen Kiosk.
Dort gibt es von Getränken über Schulmaterial bishin zu belegten Brötchen und Süßigkeiten eigentlich fast alles.
Wenn man ihn betritt befinden sich immer mindestens 5 Kinder dort und dann ist für alle gerade genug Platz um sich evtl. noch am Ohr zu kratzen.

Hinter der Theke, die rechts, links, oben und unten voll mit Schachteln und Dosen mit den klebrigsten und leckersten Süßigkeiten bestückt ist, steht eine alte Frau. Ich nenne sie hier einmal Oma Vier.

Nicht nur meine Freundin und ich brachten zur Schulzeit eigentlich jeden Tag unser gesamtes Taschengeld dorthin. Alle liebten Oma Vier, die es bei der Abzählung der Süßigkeiten auch nicht immer ganz so genau nahm.

Noch heute erinner ich mich mit ein bisschen Wehmut an diese Zeit zurück, wenn ich das Geräusch der Kiosk-Tür beim Auf- und Zumachen höre und den Geruch in dem Laden wahrnehme.

Und noch immer steht sie da, diese Frau, bei der selbst die Generation meiner Eltern sich immer schon mit Süßigkeiten eingedeckt haben und die sie liebevoll Oma Vier nannten.
Sie ist einfach unumgänglich mit diesem Ort verbunden, jeder kennt sie und jeder liebt sie.

Diesen Freitag wird Oma Vier im Alter von 96 Jahren ihren Kiosk schließen und in mir ist so ein Gefühl von zarter Traurigkeit, habe ich doch immer geglaubt, daß selbst das Fräulein und Herr Tünnes mit ihr groß werden.

Vielleicht wird sich das Fräulein Ida noch an sie erinnern, gehen wir doch momentan eigentlich jeden Tag zu ihr.
Letzten Sonntag ging die Gemeinde mit einem Blumenstrauß zu ihr und am Freitag wird des Fräuleins Kindergarten mit einem Liedchen in den wahrlich wohlverdienten Ruhestand verabschieden.

Es ist schon lustig, aber der gesamte Ort spricht davon.
Ich glaube, sie ist unsere Mutter Teresa. 😉

6 Oktober 2009 at 12:09 pm 9 Kommentare

Berufung

Im Frühjahr lag ich einmal mit einer Magen-Darm-Geschichte völlig danieder und meine Mutter mußte das Fräulein Ida von der Loslösegruppe abholen.

Vorher wollte sie noch kurz in den Supermarkt springen und eine Kleinigkeit für das Mittagessen besorgen.

Auf dem Parkplatz fuhr ihr eine Frau auf der Fahrerseite ins Auto. Beide Auto´s fuhren rückwärts, wobei meine Mutter mehr oder weniger parallel zur anderen Fahrerin fuhr. Sie hätte also gar nicht ausweichen können, es sei denn, sie hätte sich in Luft aufgelöst.

Leider einigten sich meine Mutter und die andere Fahrerin darauf, daß sie die Polizei nicht benötigen würden. (Meine Mutter stand unter Zeitdruck, sie wollte ja das Fräulein holen und der anderen Frau war es auch nur recht.)

Die gegnerische Versicherung wollte dann aber lediglich die Hälfte des Schadens regulieren und so zogen wir vor´s Gericht. Die Gerichtsverhandlung war im August und Anfang September kam das Urteil.

Wir bekamen Recht zugesprochen, denn sowohl unsere Anwältin als auch meine Eltern, die bei der Verhandlung als Zeugen dabei waren, bestätigten, daß die Gegenseite absolut nichts vorbringen konnte, um unsere Argumentation zu widerlegen. Auch die Aussage der gegnerische Fahrerin stimmte mit der Wahrheit überein und der Richter konnte gar nicht anders entscheiden.

Ich zitiere aus der Mail unserer Anwältin vom 09.09.09:

Klage erfolgeich….HastenichtgesehenVersicherung zahlt normalerweise auch immer rasch, wenn sie verloren haben. Sie werden ja wohl nicht noch Berufung einlegen…

So, und nun darf geraten werden, was der Inhalt eines Schreibens unserer Anwältin war, welches uns heute ins Haus flatterte.

Die spinnen doch!!! Ich will endlich mal wieder mit einer heilen, dichten Tür durch die Gegend fahren!! Meine Lieben, es wird Winter!!!

30 September 2009 at 8:44 pm 6 Kommentare

J.

Normal bin ich ja nicht wirklich so schnell aus der Fassung zu bringen. Das heißt, zumindest kann ich mich immer sehr gut zurücknehmen und ich äußere mich nicht sehr schnell bei Dingen, die mich eigentlich nichts angehen.

Der Mann meiner zweitältesten Schwester und ich, daß funktioniert irgendwie nicht so richtig. Für meinen Geschmack ist er einfach zu extrem, extrem in jeglicher Hinsicht. Er ist der Tollste, der Beste, er hat immer Recht, er ist in Sekunden auf 180 und vom vernünftigen Umgang mit Menschen hat er scheinbar noch nie etwas gehört.

Aus erster Ehe hat er eine Tochter (15 Jahre) und mit meiner Schwester hat er jetzt zwei Kinder. Seine erste Tochter (J.) ist seit der Scheidung mit seiner Ex-Frau ständig hin- und hergerissen worden. Erst bei seiner Ex-Frau, dann bei ihm und meiner Schwester, dann wieder lange bei seiner Ex-Frau und nun, nach ihrer erneuten Scheidung mit einem weiteren Mann ist sie jetzt seit ein paar Monaten wieder bei meiner Schwester und meinem Schwager.

Heute auf der Hochzeit meiner anderen Schwester saß J. mit dem jüngsten Kind der Familie (11 Monate) auf dem Schoß und alberte mit ihm herum. Dabei stoß der Kleine versehentlich an die Tischkante und fing natürlich an zu Weinen. Wie von der Tarantel gestochen sprang mein Schwager auf und fuhr sie an, wie sie nur so „blöd“ sein könnte und ob sie nicht vernünftig auf ihn aufpassen könnte. Er nahm ihn an sich und tröstete ihn, während J. verständlicherweise in Tränen ausbrach. Dieses Mädchen ist 15 Jahre alt, muß ständig die Verantwortung für ihre kleinen Stiefgeschwister übernehmen und bekommt dafür nur ständig irgendwelche Vorhaltungen zu hören.

Ich sagte ja bereits, mein Schwager ist extrem. Denn leider gab ein Wort das andere und schon wenige Sätze später hieß es, sie könne gleich morgen ihre Koffer packen und ausziehen!!!!

Mir fiel die Kinnlade runter. Wie kann man seiner Tochter so etwas sagen, noch dazu, wo sie die ganze Jugend eigentlich nur hin- und hergeschubst wurde und irgendwie nie richtig zu irgendeiner Familie zu gehören schien.

Sofort ergriff ich das Wort und habe entsetzt meine Meinung kundgetan. Am liebsten wäre ich aufgestanden und hätte ihm eine gescheuert. Mehr ging leider in dieser Situation nicht.

J. tut mir so unendlich leid, ich bin in einer großartigen Familie groß geworden und kann mir einfach nicht vorstellen, wie es sich anfühlen muß weder bei seiner Mutter noch bei seinem Vater eine Familie zu finden.

Ich bin immer noch total schockiert und weiß nicht so recht, wie ich mit dieser Situation umgehen soll. Ich habe das Thema angesichts der standesamtlichen Hochzeit meiner älteren Schwester auf sich beruhen lassen, jedoch würde ich das Thema gerne noch einmal ansprechen, auch wenn ich weiß, daß man mit meinem Schwager absolut nicht diskutieren kann.

Selbst heute hat er die Verletzung, die er seiner Tochter zugefügt hat, überhaupt nicht als solche gesehen, er hat sich selbst als Opfer gefühlt, er wäre immer der Buhmann und alle würden immer auf ihm herumhacken. Er war schon drauf und dran mit dem Taxi nach Hause zu fahren.

Wie kann man einem solchen Menschen eigentlich noch helfen???

Für J. wünsche ich mir von Herzen, daß sie es schafft sich trotz ihrer „verkorksten“ Jugend ein glückliches Leben aufzubauen, hoffentlich dann mit einer eigenen, richtigen Familie!!

26 September 2009 at 10:58 pm 15 Kommentare

Gedächtnis

Ich war ja eigentlich immer schon sehr vergesslich, doch seit Tünnes Geburt nimmt meine Vergesslichkeit neue Dimensionen an.

Über den Tag verteilt passieren so viele Dinge, von denen ich denke, daß muß ich heute Abend unbedingt bloggen.

Und wenn ich dann hier sitze, fällt mir nichts, aber auch wirklich gar nichts mehr ein.

Das soll ja mit dem Alter immer schlimmer werden….

…wie alt war ich gleich noch?

6 Juli 2009 at 9:51 pm 2 Kommentare

Von Wut und Liebe

Als ich das Fräulein gestern von der Loslösegruppe (blödes Wort, aber Kindergarten ist es ja noch nicht) abholte, standen wir mit einigen Müttern vor der Einrichtung und warteten, daß sich die Tür öffnete.

Eine Mutter erzählte mir, daß ihre Tochter am Morgen einen fast einstündigen Wutanfall hatte, weil sie ein Kleidungsstück aus der Bügelwäsche anziehen wollte, statt die Bluse, die sie ihrem Kind anziehen wollte.

Sie war sichtlich aufgelöst angesichts der Heftigkeit des Ausbruchs, kannte sie soetwas doch nicht von ihrem Mädchen und je mehr sie erzählte, desto mehr wurde mir klar, daß unser Fräulein jeden Tag häufig Wutausbrüche in genau dieser Ausprägung hat.

Es gab eine Zeit, in der ich mit diesen Ausbrüchen schlecht zurecht kam, der ganze Tag war durchzogen von solchen Ausbrüchen und ich hatte das Gefühl, daß mein Kind in dieser scheinbar nicht enden wollenden Phase nur sehr wenig liebenswert war. Ich schämte mich für meine Gedanken und war hin- und hergerissen zwischen, dieses Kind hat eine Art an sich die mich wütend und ja sogar rasend macht und ich möchte mein Kind doch einfach nur lieb haben.

Heute kann ich sagen, daß mein Fräulein zwar nicht gänzlich wutausbruchsfrei ist, aber der Ausgleich zwischen Wutanfällen und Ereignissen mit der sie mein Innerstes berührt ist wieder hergestellt.

Ohne mein Fräulein wäre mein Tag einfach nicht so, wie er sein sollte. Ich liebe sie von ganzem Herzen und traue mich nun hier zu sagen, daß es eine Zeit gab, in der es leider nicht immer so war. Ich fühle mich alles andere als gut dabei, aber ist es doch auch etwas, daß zu mir und meinem Leben mit den Kindern gehört.

Für diese Mutter, die mir für einen kleinen Moment sogar wirklich sehr leid tat, konnte ich meine Gefühle allerdings nicht in Worte fassen und so lächelte ich nur und versicherte ihr, daß ich sie gut verstehen könnte.

5 Juni 2009 at 12:45 pm 7 Kommentare

Tragisch

Schon drei kleine Vogelküken sind hier in den letzten Tagen verendet. Bisher glücklicherweise noch keins von unseren kleinen Rotschwänzchen.

Das ist sehr tragisch, aber wieso eigentlich schleppen Nachbars Katzen die sterblichen Überreste halb zerkaut und halb verdaut immer vor UNSERE Terrassentür???

29 Mai 2009 at 9:52 am 6 Kommentare

Im Auftrag

In unserem kleinen Örtchen gibt es Auftragsmörder.  😯

EDIT:

Ahhhh, um Gottes Willen! Ich Idiot. Ich hab mich ja völlig falsch ausgedrückt, hab´s vorhin bei Freunden bemerkt und kann es leider erst jetzt klarstellen.
Also es gibt hier im Ort jemanden, der einen Auftragsmörder beauftragt hat. So ist es richtig!!

7 März 2009 at 7:51 pm 7 Kommentare

Spuren im Schnee

Letzte Nacht hatte ich einen Traum. Früher hatte ich diesen Traum sehr häufig. Es war immer der gleiche Traum. Allerdings muß es schon einige Jahre her sein, daß ich ihn zuletzt geträumt habe.

Vermutlich lag es daran, daß ich mir in den letzten Tagen viel Gedanken über die Liebe zu meinen Kindern gemacht habe. Ich weiß, dieses Thema ist auch schon an anderer Stelle diskutiert worden und ich will und kann zu dem Thema in diesem Beitrag auch gar nichts mehr hinzufügen.

Als viertes Kind meiner Eltern habe ich die Erfahrung gemacht, daß auch meine Mutter große Unterschiede zwischen ihren Kindern gemacht hat. Da ich das einzige Kind bin, daß zwar mit optischer Ähnlichkeit gesegnet, aber charakterlich wohl am wenigsten mit ihr gemeinsam hat, hab ich immer wieder deutlich gespürt, wie sehr sie doch meine Geschwister in irgendeiner Art und Weise bevorzugt.

Ich glaube jedes Kind liebt seine Eltern bedingungslos und für mich war es oft eine schmerzhafte Erfahrung, hab ich mir doch so oft mehr Zuneigung und Anerkennung von ihr gewünscht.

Der Traum, von dem ich sprach, ist eigentlich nicht besonders ereignisreich.

Meine Mutter und ich gehen Hand in Hand durch den Schnee, wir gehen scheinbar an meinem Leben vorbei und in den Momenten, wo ich sie am meisten gebraucht habe, kann ich sie einfach nicht an meiner Seite entdecken.

Vor einigen Jahren habe ich einen Text von Margaret Fishback Powers entdeckt, der meinem Traum im Grunde sehr ähnlich ist.

Er heißt Spuren im Sand.

Wenn ich ihn lese kommen mir die Tränen, wäre ich doch manchmal auch gerne so getragen worden, nur ein kleines Stückchen weit.

Und damals habe ich mir geschworen niemals einen Unterschied zwischen meinen eigenen Kindern zu machen. Tja und jetzt stehe ich da und muß mir eingestehen, daß ich diesbezüglich wohl auch ein bisschen an mir arbeiten muß.

Manche Kinder machen es einem aber auch einfach leichter als andere.

2 März 2009 at 2:46 pm 15 Kommentare

Alt II

Ein weiteres untrügliches Zeichen das ich alt werde:

Meine, beim wegschleichen, knackenden Knochen wecken das schlafende Kind.

12 Februar 2009 at 9:17 pm 6 Kommentare

25 Millionen

…und soll ich Euch was sagen, ich weiß überhaupt gar nicht wie´s geht.

24 Januar 2009 at 9:20 pm 8 Kommentare

Ältere Beiträge


Kontakt

kleinemonster [at] gmx [punkt] de

Sonst So

Frau Rieke Banner
sturmkind
revoluzzza_logo
ines
hatbanner_157x40

Kalender

Oktober 2021
M D M D F S S
 123
45678910
11121314151617
18192021222324
25262728293031

Neugierige

  • 359.673 hits

suchen nach

"jede mutter erzieht kleine monster"

gerade hier

website counter

Visitor Locations

langweilig? fütter mich!

[clearspring_widget title="Tree Frog" wid="48ce94b12e84ff66" pid="494629567e4e73d8" width="190" height="196" domain="widgets.clearspring.com"]